[caption id="attachment_7056" align="alignleft" width="280" caption="Foto: Dirk Knofe"]

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Der Leipziger Stadtteil Grünau ist in den 1970er und 80er Jahren im Westen von Leipzig planmäßig angelegt worden. Er ist der jüngste und mit etwa 45.000 Einwohnern der größte Leipziger Stadtteil und eine der größten Plattenbausiedlungen in Deutschland.
Oft wird dieser Stadtteil als Wohngegend aufgrund der Plattenbausiedlungen und des hohen Altersdurchschnitts und der als schwach empfundenen Sozialstruktur als negativ bewertet. Doch das die Lebensqualität auch im vorurteilbehafteten Grünau dennoch hoch sein kann, bestätigt das Ergebnis einer Studie, die das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) im Auftrag der Stadt Leipzig umgesetzt hat und Ende April vorgestellt wurde. Demnach sind drei Viertel aller Grünauer sehr zufrieden mit dem Leben in ihrem Stadtteil. 710 Befragte gaben im Sommer 2009 Auskunft über ihren Bezirk und fanden großteils lobende Worte.
Wie aus den Antworten hervor geht, sind nach einem Zufriedenheits-Knick in den 1990er Jahren mit 74 Prozent nun so viele Menschen wie nie glücklich in ihrem Stadtteil. „Alles, was ich benötige ist in der Nähe, es ist herrlich grün und ruhig“, sei eine der typischen Antworten, heißt es in bereits vorab veröffentlichten Passagen der Studie. Entsprechend gering sei die Umzugsbereitschaft der Grünauer. Von neun Prozent, die unbedingt umziehen wollen, erwägt lediglich jeder Dritte, Grünau zu verlassen. Über die Hälfte der Befragten lebt bereits seit mehr als 20 Jahren in dem vielfach vorurteilbehafteten Stadtteil.
Grünau altert trotz junger Zuzüge
Top-Kriterium für Grünau-Rückkehrer sind die Mietpreise in Leipzigs Südwesten. Viele von ihnen seien Familien, fast jeder Zweite erwerbstätig, ein Drittel arbeitslos und nur etwa 7 Prozent Rentner. Rückkehrer und Zuziehende sind damit jünger als die Grünauer insgesamt. Dennoch altere der Stadtteil deutlich. Mehr als die Hälfte der Bewohner ist inzwischen über 55 Jahre alt, Tendenz seit 1987 steigend.
Der Anteil jüngerer Paare mit und ohne Kinder ist seit 2004 zwar gesunken, allerdings berichten die Bewohner auch von Zuzügen junger Familien in ihre Nachbarschaft – beispielsweise in der "Straße am Park" sowie der "Grünauer Allee" in der Mitte des Bezirks.
Infrastruktur ist Top
Grünau verfügt in weiten Teilen über eine selbstständige Infrastruktur: Über 20 Schulen, mehrere Kindertagesstätten, Sporthallen, Alten- und Pflegeheime und eine Vielzahl an niedergelassenen Ärzten und Apotheken sind in Grünau zu finden. Nach 1990 verbesserten sich zudem die Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten. Einkausfzentren, wie das "PEP" oder das "Allee-Center" mit einem Kino eröffneten Mitte der 90er Jahre. Zudem existieren in Grünau viele Einzelhandelsgeschäfte. Das ebenfalls in den 1990er-Jahren eröffnete Freizeitbad Grünauer Welle sowie der seit den 70ern als Naherholungsgebiet freigegebene Kulkwitzer See dienen der Erholung der Einwohner.
Der Kulkwitzer See im Rund.Blick.Leipzig hier!
Die Infrastruktur stellt auch eine der am positivsten wahrgenommenen Leistungen Grünaus in der Studie dar. Von Einkaufsmöglichkeiten über Bus, Bahn, Ärzten und Naherholungsgebieten – im Südwesten der Stadt finde man das alles in unmittelbarer Nähe. Von den Interviewten wird der Bezirk deshalb sowohl für Senioren als auch für Familien als attraktiv bewertet. Lediglich die Anziehungskraft für Jugendliche zogen sie in Zweifel. Fast jeder zweite Befragte ist unzufrieden mit den Freizeitangeboten für Heranwachsende.
Prognose: Grünau als „Stadtteil für Jung und Alt“
Dennoch sehen die Befragten genau hier die Zukunft Grünaus. Auf die Frage nach ihrer Prognose sprach sich der Großteil für die vorgeschlagene Variante „Stadtteil für Jung und Alt“ aus. Deutlich weniger Zustimmung konnten die
Zukunftsbilder „ökologische Modellsiedlung“, „Campus Grünau“, „Kunst- und Kulturzentrum“ und „Wohnstandort für Senioren“ auf sich vereinen. Zu den meist genannten negativen Assoziationen gehörten die Begriffe „Hartz IV“, „Alte“ und „Armut“. Die Mehrheit begeistert sich jedoch für „Wohnkomfort zu bezahlbaren Mieten“ und hebt das „Grün“ in Grünau hervor.
Die Fragen der „Intervallstudie Grünau“ werden seit 1979 in regelmäßigen Abständen gestellt. Durch die mittlerweile neun Erhebungen lässt sich so die Entwicklung des Stadtteils seit die Jahrzehnten nachvollziehen. Das Projekt ist deutschlandweit einmalig.
So hat alles angefangen: Bilder von Grünau in den 70er Jahren gibt es hier!
Hier ein Auszug der Leipziger Wohnungs-Baugenossenschaften, die unter anderem in Grünau vermieten:
Baugenossenschaft Leipzig eG
Wohnungs-Baugenossenschaft Kontakt eG
Lipsia Wohnungsbaugenossenschaft eG
Wogetra
Wohnungsgenossenschaft Unitas eG
VWL – Vereinigte Leipziger Wohnungsgenossenschaft eG
LWB – Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft mbH