Spätestens im Frühjahr erwarten die Umzugsunternehmen wieder einen Ansturm von umzugswilligen Kunden. Wer sich mit eben diesem Gedanken trägt, hat jetzt Zeit, die geeignete Spedition zu suchen.
"Ein Umzug ist Vertrauenssache" bringt es Karl Haubold auf den Punkt. Der Rechtsanwalt ist Geschäftsführer des
Fachverbandes Möbelspedition und Logistik Mitteldeutschland (FMM). Der Verband vertritt von Leipzig aus die fachlichen und unternehmerischen Interessen von Möbelspediteuren und Logistik-Unternehmen. Etwa 35 Unternehmen sind derzeit dort organisiert. Haubold: "Man muss sich vor der Wahl des Spediteurs vergegenwärtigen, dass man hier faktisch fremden Leuten die privatesten Dinge, nämlich den Hausrat anvertraut." Aus diesem Grund rät er dazu, einen Spediteur zu wählen, der zertifiziert und Mitglied im
Bundesverband Möbelspedition und Logistik (AMÖ) ist. "Die haben als Markenzeichen das Känguruh auf Rädern", klärt er auf. Das Logo ließe erkennen, dass man es hier mit einem Fachunternehmen für Möbeltransporte zu tun hat. "Die Logistiker unterwerfen sich strengen Regeln in fachlicher und wettbewerbsrechtlicher Hinsicht", erläutert Karl Haubold.
"Es geht dort auch um die ethisch.moralische Verhaltensweise, etwa im Umgang mit Mitarbeitern und beim Vertragsabschluss mit dem Kunden", ergänzt Feyza Morgül, Sprecherin des Bundesverbandes AMÖ. Bei der Nutzung von Schnäppchen- und Rabattportalen im Internet rät sie zur Vorsicht. "Es häufen sich die Hinweise von Verbrauchern, dass dort Knebelverträge gemacht oder versprochene Preise nicht gehalten werden", sagt sie. So käme es immer wieder vor, dass ein vereinbarter Preis zwar für das Einladen der Möbel gilt. Am neuem Heim angekommen werde dann meist ein Vielfaches des Preises für das Ausladen und Hochtragen der Möbel fällig. "Die Unternehmen behalten sich dann bei Zahlungsverweigerung ein Pfandrecht vor. Im schlimmsten Fall steht man also vorerst ohne Möbel da", warnt sie. Auf der Suche nach dem richtigen Umzugsunternehmen helfe vor allem ein Blick auf die Angaben, die die Spedition von allein gibt. "So sollte sie über eine Umsatzsteuer-Identnummer verfügen und eine richtige Adresse angeben, nicht nur eine Handynummer. Im besten Fall schaut man sich die Firma vor Ort an", rät sie.
Dazu rät auch Karl Haubold. "Den ersten Eindruck gewinnt man natürlich bereits am Telefon. Um sich aber wirklich ein Bild von der Arbeitsweise der Spedition zu machen, hilft ein Blick auf die Website und natürlich der Besuch vor Ort. Zusätzlich sind persönliche Empfehlungen oft ein bewährter Weg. "Es spielt eine große Rolle, ob vorherige Kunden zufrieden waren. Mundpropaganda ist wertvoller als die bloßen Unternehmensinformationen auf einer Website", sagt Susanne Dietrich, Sprecherin der Leipziger
Spedition Zurek, die nicht im AMÖ organisiert ist. "Aber wir sind nach dem MÖFORM-Qualitätsmanagement zertifiziert. Diese europaweit gültige Umzugsnorm sichert ein umfangreiches Monitoring und Reporting von angeschlossenen Unternehmen", informiert sie. Bewertungen und Beurteilungen von Kunden würden regelmäßig weitergeleitet, aus denen sich dann Schwachstellen erkennen ließen. Ist ein Unternehmen mangelhaft, wird entsprechend nachgeschult. Die Zertifizierung einer Spedition sei wichtig, sagt sie. "An ihr erkennt man, dass das Unternehmen Vorschriften einhalten muss und teilweise auch extern überwacht wird", so Dietrich.
Hat man ein Umzugsunternehmen ausgewählt, so gilt es, dieses auf Einhaltung von Standards zu überprüfen. "Seriöse Speditionen besuchen die Kunden und erstellen eine Umzugsgutliste. Dort kann man bereits Fragen stellen, etwa nach der Montage von Lampen, dem Anschluss von Geschirrspüler und Waschmaschine und so weiter", so Karl Haubold. Wichtig sei, dass man sich bei diesem ersten Termin nicht bereits vertraglich bindet. "Es gibt Speditionen, die hier bereits einen Auftrag ausschreiben. Dies kommt einem Haustürgeschäft gleich, der binnen zwei Wochen widerrufen werden kann", sagt Haubold.
Zunehmend ein Problem sei auch die Sicherung von elektronischen Geräten wie Fernsehgeräten, Stereoanlagen und anderem. Standardmäßig sei diese Thematik nicht Bestandteil von Aufträgen. "Es muss also geklärt sein, ob das im Leistungsportfolio der Spedition enthalten ist", so der Verbandsgeschäftsführer. Bietet das Unternehmen keine speziellen Luftpolsterfolien und andere geeignete Sicherungsmaßnahmen, müsse man sich selbst darum kümmern.
Ebenso zu klären sei in einem Gespräch vor Vertragsunterzeichnung, welche Rechte der Kunde im Falle eines Schadens hat. "Ein gutes Unternehmen klärt darüber auf, für welche Schäden die Versicherung der Spedition aufkommt und für welche Absicherung der Kunde im Bedarfsfall selbst sorgen muss", so Haubold.
Weitere Informationen
Eine Übersicht über Mitgliedsunternehmen im FMM gibt es auf der
Website des Verbandes.
Auch auf der Website des AMÖ finden sich eine
Suchmaske sowie eine
Liste zertifizierter Unternehmen (PDF).
Die Spedition Zurek stellt eine
Checkliste für den perfekten Umzug (PDF) zur Verfügung.
Fotos: AMÖ