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Leipzigs neue Individualität: Wohnen im Denkmal


Leipzig ist geprägt von Altbauten. Viele der Häuser sind Baudenkmäler – und in gutem Zustand. Förderprogramme und privates Engagement nach der Wende halfen dabei, Werte zu bewahren. Inzwischen gilt das „Wohnen im Denkmal“ als Alleinstellungsmerkmal noch vor dem Stadthaus.

von Daniel Große am 07.11.2011




Wer durch die Stadtteile fährt, wird es vermuten, aber die große Zahl wohl nicht kennen: 11.500 Baudenkmäler mit Wohnnutzung stehen in der Stadt. Hinzu kommen noch 3000 weitere wie Kirchen und andere Gebäude. Gebaut wurden sie in nahezu allen Epochen wie dem Historismus, Jugendstil, Klassizismus, Art Deco und der klassischen Moderne. Einer, der sich bestens auskennt mit Denkmälern in der Stadt, ist Ingo Jahnel von Limes Wohnbau. Seit 1996 saniert das Unternehmen Baudenkmäler, stellt den Originalzustand wieder her und arbeitet eng mit dem Denkmalschutz zusammen. „Rund 70 Prozent der Baudenkmäler sind zwischenzeitlich saniert“, schätzt Jahnel, der einen erheblichen Anteil an der hohen Zahl hat. Die fehlenden 30 Prozent würden noch auf Investitionen warten. In Großzschocher, Wahren und Altlindenau gebe es seiner Meinung nach noch Bedarf. „Prinzipiell herrscht an vielen städtebaulich sehr wichtigen Punkten Bedarf, etwa an den großen Magistralen der Stadtteile. Eine sehr gute Entwicklung sind darum die Wächterhäuser“, sagt er und unterstreicht: „Es ist wichtig, dass sich Menschen kümmern und die Substanz erhalten, in der Hoffnung, dass sich so ein Investor findet.“

Jahnels Begeisterung für Denkmäler ist fast so alt wie er selbst. Bereits als Schüler hat er Hand an Jugendstilhäuser in seiner Heimatstadt Magdeburg gelegt. Mit Sondergenehmigungen durften die Bewohner damals in den Häuser wohnen, wenn sie Eigenaufwand betrieben. Mit seinen Geschwistern arbeitete er Rolläden auf, sanierte Fußböden und Türen. „Das hat mich geprägt“, sagt er. Nach einer technischen Ausbildung schlug er darum gänzlich eine Laufbahn als Werte-Bewahrer ein. „Das, was in den Häusern schlummert, hat meist viel Potenzial. Ich liebe diesen morbiden Charme, will ihn aufwecken, gleichzeitig aber die kulturhistorisch wertvollen Substanzen erhalten“, sagt Jahnel.

Dieses Ansinnen teilen seine Kunden, oftmals sind die Objekte noch während der Sanierungsphase komplett verkauft oder vermietet. „Wohnen im Denkmal ist mittlerweile zu einer Marke für Individualität geworden. Mehr noch als ein Stadthaus“, glaubt Ingo Jahnel. Die enorm hohe Dichte an Denkmälern in der Stadt ist dabei ein Segen. „Diese Kompaktheit gibt es kaum noch einmal in Deutschland. Zum Vergleich: Das Land Niedersachsen ist viel größer als Leipzig, hat aber genau so viele Denkmäler“, zeigt er sich begeistert. Gemischt mit den Neubauten strahle Leipzig so eine Liebenswürdigkeit aus, wie man sie nicht so schnell findet. Und diese Liebenswürdigkeit lassen sich Käufer und Mieter zunehmend etwas kosten, wenn sie 110 bis 160 Quadratmeter auf einer Ebene haben wollen. Genau dies würden die meisten der Baudenkmäler in Leipzig bieten: Villenähnliche Größenordnungen in einem „ganz normalen“ Wohnhaus.

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