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Stadtteil Spezial: Gründerzeithäuser, Kunst und Musik im Leipziger Musikviertel


Das Leipziger Musikviertel ist als Stadtteil nicht nur wegen seiner Gründerzeitarchitektur und der schönen Lage sehr beliebt. Gelegentliche Musik- und Kunstveranstaltungen machen das Viertel auch für Kulturinteressierte zum Magneten. Doch wie kam das Musikviertel zu seinem Namen und was genau macht es historisch so besonders?

von LVZ-Immo / Red. am 16.11.2010

[caption id="attachment_8008" align="alignleft" width="512" caption="Blick von oben auf das Musikviertel. Foto: Armin Kühne"][/caption]

Wer im Musikviertel wohnt, hat es nicht weit, ganz gleich, ob es ihn ins Grüne zieht oder in die belebte Innenstadt Leipzigs. Das Viertel grenzt im Westen direkt an den Clara-Zetkin-Park, gen Norden sind es nur wenige Gehminuten bis ins Zentrum. „Das Besondere am Musikviertel ist, dass man sowohl Naherholungsmöglichkeiten als auch das pulsierende Leben unmittelbar vor der Haustür hat“, sagt Raimund Grimm vom Immobilienunternehmen UKB Denkmal AG.

Und wer abends das Nachtleben Leipzigs erkunden will, wird ein paar Straßen weiter östlich in der Karl-Liebknecht-Straße fündig. Auf der Kneipenmeile, von Leipzigern kurz „Karli“ genannt, reiht sich eine Bar an die nächste. Restaurants sind in der Südvorstadt, die vor allem bei Studenten beliebt ist, ebenfalls zu finden.

Auch für Kunstinteressierte bietet das Viertel einige Anlaufstellen. „Es gibt viele Kulturveranstaltungen. In der Hochschule für Grafik und Buchkunst und der Galerie für Zeitgenössische Kunst sind immer wieder Ausstellungen zu sehen“, sagt Ute Asmussen, Vorsitzende des Bürgervereins Musikviertel e.V., „Auch Konzerte werden gelegentlich aufgeführt, zum Beispiel im Bundesverwaltungsgericht oder auf der Parkbühne im Clara-Zetkin-Park.“

Zwei Musikstätten gaben dem Viertel seinen Namen

Seinen Namen erhielt das Musikviertel Ende des 19. Jahrhunderts. Zwischen 1882 und 1884 wurde das Neue Concerthaus erbaut, in dem das Gewandhausorchester musizierte. Wenig später kam das von Felix Mendelssohn Bartholdy gegründete Königliche Konservatorium für Musik hinzu. Die beiden Einrichtungen zogen zahlreiche Musikgrößen an, unter anderem Edvard Grieg, der am Konservatorium studierte. Einige Straßen sind nach Musikern

benannt, so zum Beispiel die Mozart- und die Haydnstraße. „Wegen dieser Straßen wird das Gebiet häufig fälschlicherweise Musikerviertel genannt“, erklärt Ute Asmussen, „Dabei waren die beiden Bauten und nicht die Musiker Anlass für die Namensgebung.“

Das Neue Concerthaus steht heute nicht mehr. 1944 wurde es von Bomben getroffen, die Ruine wurde schließlich 1968 gesprengt. An seinem Standort wurde später das Geisteswissenschaftliche Zentrum der Universität Leipzig errichtet. Das Gewandhausorchester fand im Nachfolgebau, dem heutigen Gewandhaus am Augustusplatz, eine neue Heimstätte. Das ehemalige Konservatorium hingegen ist noch heute im Viertel zu finden. Es ist Sitz der Hochschule für Musik und Theater.

Und es ist nicht das einzige Gebäude, das an die Entstehungszeit des Viertels erinnert. Zahlreiche Gründerzeithäuser stammen aus dieser Zeit. Ab Mitte der 1880er Jahre entstanden neben mehrgeschossigen Mietshäusern auch prunkvolle Villen im Musikviertel. Damals ließen sich Fabrikbesitzer, Großkaufleute und andere wohlhabende Bürger Wohnhäuser errichten. Der Rat der Stadt erließ strenge Bauvorschriften, die dafür sorgten, dass die Wohn- und Mietshäuser einheitlich gestaltet wurden. So entstand ein städtebaulich besonders wertvolles Viertel, das heute teilweise unter Denkmalschutz steht.





Gründerzeithäuser neben denkmalgeschützten Plattenbauten

Die großzügig angelegten Wohnungen locken heute vor allem Besserverdienende an. „Die Appartements sind vergleichsweise groß, um die 200 bis 300 Quadratmeter. Dadurch sind die Mieten im Vergleich zu anderen Stadtteilen höher“, sagt Raimund Grimm.

Viele bekannte Architekten jener Zeit hinterließen ihre Spuren im Musikviertel. So war unter anderem Martin Gropius am Bau des Neuen Concerthauses beteiligt. Arwed Rossbach entwarf die Pläne für die Bibliotheca Albertina, die noch heute Lernstätte vieler Studenten ist. Auch mehrere Villen tragen die Handschrift des Architekten. Allerdings überdauerte nur eine den Zweiten Weltkrieg – das Palais Rossbach in der Beethovenstraße. Das Haus mit der beeindruckenden Renaissance-Fassade wurde vor einigen Jahren aufwändig saniert.

Der Zweite Weltkrieg ging auch am Musikviertel nicht spurlos vorüber. Bei Bombenangriffen in den Jahren von 1943 bis 1945 wurde die Hälfte der Häuser getroffen. Als man in den 1960er Jahren mit dem Wiederaufbau begann, wurde kaum Rücksicht auf die Historie der Gegend genommen. Einzelne Gründerzeithäuser wurden abgerissen und durch elf- bis sechzehngeschossige Plattenbauten ersetzt. Aber selbst einige dieser Häuser genießen mittlerweile Denkmalschutz. „Sie stehen einfach für einen bestimmten Baustil zu einer bestimmten Zeit. Die Wohnungen sind inzwischen sehr gefragt“, sagt Ute Asmussen.

Hier geht es zur Suche nach Wohnungen im Musikviertel Leipzig und anderen Stadtteilen der Messestadt!

Text: Nora Ernst

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